• WAS KOSTET EIN MENSCHENLEBEN?
    DER PREIS DES MENSCHEN, SEIN WERT UND SEINE WÜRDE

    Sarah Walters Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

    es hat mich sehr gefreut, als neue Geschäftsführerin von AstraZeneca Österreich, am 16. Mai 2019 zahlreiche VertreterInnen aus dem gesundheitspolitischen Umfeld zur bereits 11. PrimeTime in die Residenz der Britischen Botschaft zu einem interdisziplinären Meinungsaustausch und der Möglichkeit zum ungezwungenen Netzwerken in einer außergewöhnlichen Atmosphäre einladen zu dürfen. Wir hatten heuer die Ehre, Prof. Konrad Paul Liessmann über den Wert des Lebens sprechen zu hören – ein immer wichtigeres Thema, das oft gemieden wird, in unserem sozialökonomischen Umfeld jedoch höchste Brisanz hat. Bei AstraZeneca setzen wir uns dafür ein, Patienten und ihren Familien neben innovativen Therapieoptionen vor allem mehr Zeit und Lebensqualität zu ermöglichen. Hierbei spielt Ethik eine zentrale Rolle. Es war großartig zu sehen, dass sich so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser wichtigen Diskussion beteiligt haben.

    Ihre Sarah Walters


    Leigh Turner Mit dem Netzwerkevent PrimeTime bietet AstraZeneca seit 2007 EntscheiderInnen und ExpertInnen des österreichischen Gesundheitswesens eine hochkarätige Austauschplattform. S.E. Leigh Turner, Britischer Botschafter in Österreich zeigt sich ebenfalls begeistert: “Promoting trade is a central part of the Embassy’s work in Vienna and AstraZeneca is a great example of showcasing the UK as the world leader in the research and development of new medicines. We are very proud of our long-standing collaboration with AstraZeneca and look forward to continue to provide our support in positioning AstraZeneca as a significant stakeholder within Austrian healthcare system.”

    Leigh Turner, Britischer Botschafter in Österreich


    Abstract des Vortrags von Prof. Liessmann


    Was kostet ein Menschenleben?

    Prof Liessman Die Frage scheint frivol, gehen wir doch davon aus, dass der Mensch eine Würde besitzt, die es verbietet, ihn oder sein Leben zum Gegenstand marktwirtschaftlicher Operationen zu machen, dem Spiel von Angebot und Nachfrage auszusetzen und sein Leben, seine Personoder seine Fähigkeiten als Objekte zu behandeln, die man kaufen und verkaufen kann wie jedes andere Produkt auch. Einem antiken Grundeigentümer oder amerikanischen Pflanzer des frühen 19. Jahrhunderts wäre die Frage nicht ganz so seltsam vorgekommen, nur hätte sie umformuliert: Was kostet ein Mensch, genauer: Wieviel kostet ein Sklave. Die Sklaverei haben wir abgeschafft, die Frage nach dem ökonomischen Wert des Menschen damit aber nicht ausgeklammert. In einer ökonomisierten Gesellschaft, in der alles seinen Preis hat, ist der Mensch davon nicht ausgenommen.

    Die Sprache unserer Zeit ist voll von Formulierungen und Floskeln, die im Menschen nur noch eine Quantität sieht, die in diversen Bilanzen positiv oder negativ zu Buche schlägt. Die seit der Aufklärung im menschenrechtlichen Denken verankerte Ansicht, dass sich der Wert eines Menschen nicht danach bemessen lässt, welchen Nutzen er einem Betrieb oder einer Volkswirtschaft bringt, bzw. welche Kosten er verursacht, scheint brüchig geworden. Die Vorstellung, dass der Wert des Menschen in seinem Menschsein und in nichts sonst schlechthin begründet liegt, klingt in Zeiten angeblich knapper Kassen und verschärfter Wettbewerbsbedingungen zunehmend illusorisch, wenn nicht antiquiert.

    Die Frage nach dem Preis des Menschen erscheint in unterschiedlicher Gestalt Bezieht sie sich auf seine Arbeitskraft, finden wir daran nichts Negatives: Dass Fähigkeiten, Begabungen und Leistungen eines Menschen je nach Qualifikation und Nachfrage unterschiedlich bezahlt werden, ist selbstverständlich. Ob Menschen Teile ihres Selbst oder ihres Körpers ebenso verkaufen können, ist schon umstrittenen. Dass ein Mensch sich als Person nicht verkaufen kann, auch wenn er wollte, gilt zumindest bislang noch als unbestritten.

    Der Preis eines Menschen zeigt sich aber auf anderen Ebenen, vor allem im Sozial- und Gesundheitssystem. Wieviel ist uns die Gesundheit oder die Lebensverlängerung eines Menschen wert? Auch wenn wir gerne sagen, dass jedem Menschenleben der gleiche Wert zukommt, wissen wir, dass das in der Realität nicht stimmt. Herkunft, Einkommen, soziale Lage, Zukunftsperspektiven, das Lebensalter spielen sehr wohl eine Rolle, geht es darum, zu entscheiden, ob sich Investitionen, Eingriffe, Medikamente, teure Operationen noch "lohnen". Die ökonomische Realität sorgt dafür, dass wir hier noch oft nur unausgesprochenen Kriterien den Wert des menschlichen Lebens unterschiedlich bestimmen. Der ökonomische Preis, den wir dann bezahlen, mag den Gesetzen des Marktes entgegenkommen. Der immaterielle Preis dafür ist allerdings hoch: Denn wir handeln uns zumindest einen Widerspruch zwischen Wert und Würde ein, wenn wir letztere nicht überhaupt dadurch entwerten.


    Um unsere Planung für künftige Veranstaltungen zu verbessern, würden wir Sie bitten an einer kurzen, anonymen Feedback-Umfrage teilzunehmen. Ihre Meinung ist uns wichtig. Wir schätzen Ihre Anregungen, Lob und Kritik, denn dadurch unterstützen Sie uns bei der kontinuierlichen Verbesserung unserer Events. Hier geht’s zur Umfrage.

    Fotos der 11. PrimeTime finden Sie in unserer APA Fotogalerie.


    Photos: Leigh Turner © AZ Österreich GmbH/APA-Fotoservice/Hörmandinger | Konrad Paul Liessmann © Heribert Corn